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Zur Verordnung von Cannabinoiden

Die etwas andere Sicht auf den „Cannabis-Hype“

In den letzten beiden Ausgaben des Forum Med fanden sich kritische Artikel zur Therapie mit Cannabinoiden. Die Verordnung von Cannabinoiden nimmt in Salzburg und Österreich allgemein weiter zu.

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Seit der Freigabe von Cannabis in Deutschland zu medizinischen Zwecken (im März 2017) ist der Verbrauch deutlich gestiegen und es kommt in Deutschland nun zu Engpässen bei der Versorgung mit medizinischem Cannabis.(1) Zwischen den Cannabisproduzenten und Krankenkassen ist in Deutschland in weiterer Folge ein Streit entbrannt, da nach Meinung der Produzenten die Kassen die Regelungen für den Gebrauch von medizinischem Cannabis zu streng auslegen.

Gleichzeitig werden von Fachleuten und Gremien vermehrt Bedenken an der Verordnung von Cannabis geäußert: „Cannabis ist kein Allheilmittel bei Schmerzen“.(2) In der Ärztezeitung online vom 30.11.2017 fordert die Bundesärztekammer mehr Forschung zu Cannabis, die Wissenschaftler kommen weiter zu dem Schluss, „… dass wegen des noch uneinheitlichen Forschungsstands und der begrenzten Datenlage bei vielen Krankheitsbildern noch keine Aussagen zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Cannabisarzneimitteln gemacht werden können“.

Auch Professor Dr. Norbert Schmacke vom Institut für Public Health an der Universität Bremen übt Kritik an der Verordnung von medizinischem Cannabis: „Die Idee der Verordnungsfähigkeit von Hanfblütenextrakten verstößt beim heutigen Wissensstand gegen alle Prinzipien der modernen Arzneimittelbewertung“.(3)

Dieser Vielzahl an kritischen Meinungen zu Therapien mit medizinischem Cannabis stehen zahlreiche Fortbildungen durch „Cannabisärzte“ und zum Teil euphorische Presse-mitteilungen mit Einzelfallbeschreibungen gegenüber. Was soll nun der Arzt oder Behandler denken? Was ist richtig, was falsch? Gibt es noch andere Aspekte zu berücksichtigen?

Ich lasse meinen medizinischen Blick also schweifen und betrachte die Aktienkurse von Cannabis-Produkten. So hat beispielsweise der Aktienkurs der „Deutschen Cannabisaktie“ innerhalb eines Jahres um 370 Prozent zugelegt.(4) Die Aktie „Aurora Cannabis“ kostete 2015 0,40 kanadische Dollar, im Dezember 2017 lag sie bereits bei 4,90 kanadischen Dollar, was einer Steigerungsquote von 1125 Prozent entspricht!

Wallstreet-online.de empfahl bereits im April 2017 „kanadische Cannabisaktien“ als Outperformer des Jahres zum Kauf. Grund war die erwartete weltweite Legalisierung von medizinischem Cannabis. Im Mai 2017 teilte das Online-Portal weiters mit, dass 1036 Unternehmen den Status eines Cannabisproduzenten im industriellen Maßstab beantragt hätten. Eine weitere Schlagzeile vom 04.10.2017 verlautete dann, „Die Rally der kanadischen Cannabisaktien hat begonnen“.

Wenig verwunderlich also, wenn der Verdacht naheliegt, dass es wohl noch andere Gründe als medizinische für den Einsatz von Cannabis gibt. Vielleicht sollte ich mir ja selbst Cannabis-Aktien zulegen – das könnte meinem Konto guttun – und natürlich auch den Patienten und Patientinnen, die meinen Aktienkurs weiter hochtreiben.

 

Dr. med. Hubert Schnattinger

 

1) Spiegel/02.09.2017, pharmazeutische Zeitung/27.07.2017

2) Ärztezeitung online/28.09.2017

3) aus Dr. med. Mabuse 230, November/Dezember 2017

4) Stand 06.12.2017