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"Herz auf Reisen"

Bei der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft vom 7.6. bis 10.6.2017 in Salzburg wurden diesem Themenkreis mehrere Vorträge gewidmet, die interessantesten Erkenntnisse und Neuigkeiten daraus werden hier kurz wiedergegeben.

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Flugreisen

Flüge sind bei einem medizinisch wohl vorbereiteten angepassten Transportmanagement selbst für Schwerkranke eine sichere Transportoption. Zu beachten ist, dass die Druckverhältnisse bei einer Flughöhe von 10.000 m dem Luftdruck in 2500 m Seehöhe mit einer Sauerstoffsättigung (SpO2) von 90% entsprechen. Die Sauerstoffzufuhr über die Bordmaske ist auf 1-4 l/min beschränkt, womit so manche respiratorische Insuffizienz nicht mehr ausreichend oxygeniert werden kann. Ob ein Defibrillator („aed“= automatischer externer Defibrillator, „defi“ bedeutet in der Fliegersprache „kaputt“) mitgeführt wird, bestimmt jede Fluglinie selbst, das Bordpersonal ist in dessen Bedienung (es sind ausschließlich unmanipulierbare „Halbautomaten“ in Verwendung) geschult. Statistisch gesehen ist bei 48% aller Flüge ein Arzt an Bord.

Auch bei optimiert sortiertem Notfallsequipment und routinierten Akutmedizinern an Bord ist eine Intubation mit Sedierung schon aus Platzgründen äußerst schwierig, erforderliche anhaltende Reanimationsmaßnahmen müssen beim Landemanöver unterbrochen werden.

Für die Flugtauglichkeit von Herzkranken sind neben der grundsätzlichen Voraussetzung der klinischen Stabilität unter Medikation folgende zeitliche Mindestabstände zu Ereignissen einzuhalten:

  • 3 Tage nach Koronardilatation bzw. Stentimplantation
  • 2-3 Wochen nach aortokoronarer Bypass- und Klappen-Operation
  • 10 Tage nach unkompliziertem Myokardinfarkt
  • 8-12 Wochen nach komplikativem Infarkt
  • keine zeitlichen Einschränkungen nach erfolgter Schrittmacher- und ICD-Implantation  
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Tauchmedizin

Durch das vollständige Eintauchen unter Wasser kommt es zu einer Blutumverteilung mit zusätzlich 700 ml Blutvolumen in den thorakalen Gefäßen: damit steigen der pulmonalarterielle (PAP) und periphere Blutdruck (RR) deutlich an, Arrhythmien werden begünstigt. Über 80% aller medizinischen Tauchzwischenfälle resultieren aus (meist adaptiven) Problemen im Herz-Kreislaufsystem. Tauchanfänger ab dem 40. Lebensjahr sollten zuvor unbedingt ergometriert werden und eine Belastbarkeit von über 2 Watt/kg Körpergewicht aufweisen. Ein deutlich erhöhtes Risiko haben Taucher ab dem 60. Lebensjahr mit KHK, Hypertonie oder Aortenstenose. Kontraindikationen sind hämodynamisch relevante Rechtsherzerkrankungen, Vitien, Kardiomyopathien sowie ICD-Implantation. Angeborene Rechts-Links Shunts (Vorhofseptumdefekt, offenes Foramen ovale) begünstigen Dekompressionskrankheit und Gasembolien, bei Berufstauchern sind sie zu verschließen.

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Höhenmedizin

Bei gewohnheitsmäßigem Aufenthalt in tieferen Regionen nimmt die Leistungsfähigkeit bereits ab 1500 m Seehöhe ab, über 2500 m kommt es zu einer dauerhaften Aktivierung des Sympathikus mit RR- und Frequenzanstieg und zusätzlich Dehydratation, ab 3000 m steigt der PAP signifikant an, ab 4000 m kann auch bei völlig Gesunden eine akute Höhenkrankheit bis zum Lungenödem auftreten. Wichtig ist daher eine langsame längere leistungsbezogene Höhenanpassung; von Trekking Kurzurlauben in Hochalpinregionen ist generell abzuraten. Herzkranke können sich bei entsprechender Anpassung ihrer Belastung bis 2500 m gefahrlos aufhalten. Bei Betablockern ist zu beachten, dass sie nicht nur die physiologische Sympaticusaktivierung blockieren, was mit zunehmender Höhe umso wirksamer wird, sondern durch ihren vasokonstriktiven Effekt Erfrierungen an den Akren begünstigen.

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Infektionen des Herzens

Der weltweit häufigste Endokarditis Keim ist der Staphylococcus aureus, das Erkrankungsrisiko einer bakteriellen Endokarditis ist auch in den Tropen und DrittenWelt Ländern gering. Unerlässlich bei allen Fieberepisoden nach Fernreisen ist eine genaue Abklärung mit Blutkulturen. Auch wenn diese wiederholt negativ ausfallen, gibt es eine Reihe seltener nichtbakterieller Infektionen des Herzens, an die zu denken ist: Myokarditis durch Leptospiren, Chagas Kardiomyopathie, Malaria mit diffusen endokardialen Thromben, Echinococcus Zysten, Endokarditis durch Bartonella und Brucellose.

Aufenthalte in der Höhe und unter Wasser erfordern eine erhöhte Adaptionsleistung des Herz-Kreislaufsystems, deshalb sind eine Vortestung bei Risikokonstellation und entsprechend restriktive Verhaltensmaßnahmen bei Herzkranken stets angezeigt.

 

Dr. Hartwig Bailer, MBA
Facharzt für Innere Medizin (Kardiologie)