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Thiazid-Diurektika

Alt, aber gut!

In einer dänischen Studie konnte die osteoprotektive Wirkung von Thiazid-Diuretika bestätigt werden. Die vorliegende Analyse lässt die Annahme zu, dass dabei vor allem eine lange und kontinuierliche Einnahme von Bedeutung ist.

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Chlorothiazid wurde 1955 synthetisiert und 1957 primär zur Behandlung von Ödemen auf den Markt gebracht. Dass Thiazide die Kalziumausscheidung hemmen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Die positive Wirkung auf den Knochen kommt aber nicht nur durch die Verminderung der Kalziumausscheidung (von 50 auf 150 mg/Tag), sondern auch durch eine direkte Stimulation der Osteoblasten-Differenzierung und Knochenmineralisierung zustande. Auf jeden Fall können sie die häufig bei älteren Patienten und Patientinnen zu beobachtende negative Kalziumbilanz reduzieren. Auch andere Studien haben bereits nach einer Einnahmedauer von 2 Jahren eine Reduktion der Hüftfraktur-Inzidenz von 20 Prozent gezeigt. Besonders günstig ist der Einsatz der Thiazide bei osteoporotischen Patienten und Patientinnen mit einer Hyperkalziurie und Nephrolithiasis, bei denen eine zusätzliche Kalziumgabe problematisch wäre.

Schleifendiuretika (Furosemid, Torasemid) hingegen erhöhen die renale Calcium-Ausscheidung, ihre chronische Anwendung führt daher zu einer negativen Kalziumbilanz, weshalb sie das Risiko für osteoportische Hüftfrakturen vermutlich erhöhen. Die gleichzeitige Verabreichung von Vitamin D verstärkt die Kalziumresorption aus dem Gastrointestinaltrakt, sodass das Risiko einer Hyperkalzämie theoretisch erhöht ist. Praktisch dürfte dies nur bei prädisponierenden Faktoren (Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose) von Bedeutung sein. Die positive Wirkung der Thiazide auf den Kalziumhaushalt sollte daher auch bei der  Auswahl eines Antihypertensivums für Patienten und Patientinnen mit Osteoporose oder dem Risiko für eine Osteoporose berücksichtigt werden. Aktuell sind im Austria-Codex 257 Präparatekombinationen mit Hydrochlorothiazid gelistet.


Dr. Bernhard Graf

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Literatur

C. Kruse et al. : Journal of Internal Medicine, Volume 279, 1, 110–122, January 2016
M Dvorak et al.: J Am Soc Nephrol. 2007, 18(9), 2509-2516