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Roter Reis / Arterin

Auch in Arztpraxen kommt es zunehmend zur Bewerbung des  Nahrungsergänzungsmittels Arterin zur Senkung des erhöhten Cholesterinspiegels.

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Die Werbung suggeriert, dass es sich hierbei um ein natürliches, nebenwirkungsfreies Nahrungsergänzungsmittel auf pflanzlicher Basis handelt, das gerade für die Primärtherapie der Hypercholesterinämie oder bei Statinunverträglichkeit geeignet ist. Die Arterin-Kapseln enthalten rotes Reismehl. Roter Reis wird in Ostasien traditionell zum Färben und Aromatisieren von Lebensmitteln eingesetzt. Gewöhnlicher Reis wird durch einen Schimmelpilz der Gattung Monascus fermentiert, dabei entsteht Monacolin, das ident ist mit dem Statin Lovastatin. Somit bestehen bei der Einnahme von Monacolin (z.B. Arterin oder anderer monacolinhaltiger Produkte) die gleichen Risiken wie bei einer Statintherapie. Aus Frankreich und Italien liegen nach Einnahme von monacolinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln bereits Berichte über unerwünschte Wirkungen vor, wie z.B. Myopathien einschließlich Rhabdomyolyse, Leberschäden, Colitiden, Steven-Johnson-Syndrom, etc. (arznei-telegramm 2/16).

Schlussfolgerung:

In Deutschland wurden im Februar 2016 Produkte aus rotem Reis mit einem Gehalt über 5 mg Monacolin vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Arzneimittel eingestuft. In Österreich beispielsweise ist Arterin (10 mg Monacolin) noch frei verkäuflich. Patienten und Patientinnen sollten durch behandelnde Ärzte und Ärztinnen über die Risiken aufgeklärt werden. Bei unklaren Muskelschmerzen sollte auch an die Möglichkeit einer Eigentherapie mit monacolinhaltigen Nahrungsergänzungsmittel gedacht werden.

 

Dr. Hubert Schnattinger