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Sind die Grenzwerte der Bioäquivalenz präzise genug?

Die Bedeutung der zulässigen Grenzwerte 0,80 bis 1,25 (bzw. 80%-125%) wird leider fälschlicherweise oftmals mit einem dementsprechenden vermeintlichen Wirkungsunterschied verwechselt.

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Das Gegenteil ist der Fall, denn bei diesen Werten handelt es sich lediglich um statistische Grenzwerte, der eigentliche Mittelwert liegt jedoch viel näher beim Wert 1 (bzw. 100%). Zahlreiche Studien [3], [4], [5], [6] haben herausgefunden, dass der tatsächliche, durchschnittliche Unterschied in der AUC und Cmax von Generika lediglich 3 bis 4 Prozent zum Originator betrug.

 

Weiters haben diese Untersuchungen gezeigt, dass tatsächlich schlechte Produkte, deren Bioverfügbarkeit mehr als 5 bis 10 Prozent vom Referenzprodukt abwich, die entscheidenden Bioäquivalenzkriterien nicht mehr erfüllten und demzufolge auch keine Zulassung als Generikum erhalten haben.


Auch soll nicht vergessen werden, dass die Wirkung der meisten Pharmaka auf den Grundsätzen des Massenwirkungsgesetzes beruht. In diesem nicht-linearen System bedeutet selbst eine Änderung der Konzentration auf 80 % bzw. 125 % im Bereich der Dissoziationskonstante (der Bereich, bei dem die Hälfte, also 50 % aller Rezeptoren mit einem Wirkstoffmolekül besetzt sind) lediglich eine Änderung von +/- 6 % der Rezeptorbindung. Wird, wie meist therapeutisch üblich, in einem Bereich dosiert bei dem nahezu alle Rezeptoren (z.B. 90 %) besetzt sind, so findet sich gar nur mehr eine2 % Änderung in der Rezeptorbindung. Eine unterschiedliche Wirkung ist somit an sich ausgeschlossen und weder therapeutisch noch statistisch in diesem Bereich sinnvoll nachweisbar.