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Polypharmazie: Das Problem

Die Hauptursache für Polypharmazie ist das gleichzeitige Vorliegen mehrerer, meist chronischer Erkrankungen bei einer Person. Mit dem Alter nimmt diese so genannte Multimorbidität zu – und damit auch die gleichzeitige Verschreibung vieler Medikamente.

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Mit der Einnahme vieler Medikamente können Probleme verbunden sein: Nebenwirkungen können sich addieren. Das Wechselwirkungspotential steigt von sechs möglichen Interaktionen bei vier Medikamenten auf 45 mögliche Interaktionen bei zehn Medikamenten. Das Risiko für Wechselwirkungen steigt mit der Zahl der eingenommenen Medikamente - bei zwei Medikamenten beträgt die Wahrscheinlichkeit für Wechselwirkungen sechs Prozent, bei acht Medikamenten 100 Prozent. [1]

Ein weiterer Faktor ist das Alter: Wassergehalt und Muskelmasse im Körper nehmen ab, die Nierenfunktion und damit die Ausscheidung u.a. von einigen Arzneistoffen lässt nach. Nebenwirkungen können daher altersbedingt verstärkt sein. In einer Salzburger Studie waren Medikamenten-Nebenwirkungen der Grund für 57 Prozent der Hospitalisierungen der über 71-Jährigen.[2]

Paradoxerweise kann Polypharmazie aber auch zu Unterversorgung führen. Die Ursache dafür sind Probleme mit der so genannten „Compliance“ von Patientinnen und Patienten mit mehreren Medikamenten. Die Einnahmetreue nimmt mit der Anzahl der Medikamente stark ab, bei mehr als sechs Medikamenten nehmen nur mehr 20 Prozent alle Medikamente richtig ein. Die Auswahl, welches Medikament tatsächlich eingenommen wird, erfolgt oft zufällig bzw. willkürlich. Die Gefahr von Verschlechterungen einer Krankheit durch Unterversorgung kann so durch die Verschreibung vieler Medikamente erhöht werden. 


[1] Cadieux, Postgrad Med 1989, 86:179-86
[2] Schuler et al. Wien Klin Wochenschr. 2008;120(23-24):733-41 ,